Tierschutz-Fahrt nach Miskolc in Ungarn (08.08 - 10.08.2008)

Bericht von Claudia Odendahl

Ich könnte eigentlich 2 Berichte schreiben. Einen ganz alleine für die Fahrt und einen für den Tierheimbesuch. Ich werde mich aber für die Fahrt einmal kurz fassen. Es wurden im Radio immer zig Staus gemeldet, aber kaum waren wir dann da, waren sie schon wieder weg. Puh, was ein Glück für uns. Und es gab auch noch eine Menge Unfälle, die direkt vor unseren Augen passiert sind. Einem LKW ist die Plane gerissen und er hatte Toastbrot geladen. Schnell war die ganze Autobahn voll von Toastbrot. Was ein Anblick, so viel Toastbrot. Aber wir wollten ja schnell weiter, also ignorieren und weiterfahren. Dann ganz viele Wohnwagen am Straßenrand und PKW's, die mit dem Anhänger nicht zurechtkamen. Dann lagen auf einmal Anhänger quer auf der Fahrbahn. Also es war ein Schauspiel an falschem Fahrverhalten, das zu zahlreichen Unfällen geführt hat. Aber zum Glück waren wir nie beteiligt und konnten immer direkt schnell an der Unfallstelle vorbeifahren.

So, das nur kurz zu den Fahrthighlights und nun zu dem allgemeinen Bericht:


Am Besten fange ich mal ganz vorne an. Es fing schon vor der Fahrt im Juni an. Die Fahrt im August war in Gefahr, da kein verantwortlicher Fahrer gefunden wurde. Und wir können ja leider nicht 3 völlig fremde in unser neues Tierheim schicken. Meinen Chef habe ich dann in einer guten Minute erwischt und nach Urlaub gefragt. Zum Glück hat dies geklappt und so konnte die Fahrt in Angriff genommen werden. Schnell füllte sich auch die Seite der Tiere, die mit durften. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Alle Boxen, Spenden und Unterlagen mussten zu mir und die Zeit ging schnell vorbei. Schon kam der Tag näher, an dem ich den Transporter abholen durfte.

Und Margit war auch schon da und wir luden sofort die Boxen und ein paar Spenden ein.
Bei uns im Nachbarort ist eine LKW-Waage und da wir nicht wegen Überladung noch eine Strafe kassieren wollten, sind wir schon mal mit dem Transporter zur Waage gefahren um zu schauen, wie viel wir noch zuladen dürfen!
Und dann der Schock! Wir waren eigentlich schon drüber. Denn es kamen noch 2 Personen, deren Gepäck und ca. 600kg Futter hinzu, die unbedingt mit mussten. So mussten wir bei mir zu Hause wieder einiges ausladen. Eigentlich fuhren wir dann am Freitag früh um 5 Uhr nur mit den leeren Boxen, einer Kühlbox, Regentonnen und ein paar Decken in Richtung Ungarn.

Gegen 6.30 luden wir dann unsere 3. Fahrerin Jasmin ein, die bislang noch nichts mit unserem Verein zu tun hatte. Dann gleich auf zum nächsten Etappenziel nach Medenbach. Dort wurden uns noch 600kg Futter gebracht, die mit nach Ungarn sollten.
Und dann war der Transporter auch passend genau gefüllt. Wir hätten glaube ich keinen Schokoriegel mehr kaufen dürfen. Dann wären wir zu voll gewesen. Aber der Transporter hat super mitgemacht und man hat ihm die Kilos im Laderaum nicht angemerkt. Also auch ein Lob an unseren Sprinter!

Die Zeit verging super schnell. Ich glaube, es lag auch an Jasmin. Da wir sie nur von ein paar Mails kannten, hatten wir uns viel zu erzählen. Jasmin hatte viele Fragen und natürlich hatte jeder von uns auch jede Menge Tiergeschichten auf Lager. Und unter Tierfreunden kann man sich über Tiere ja wirklich stundenlang unterhalten ohne dass es langweilig wird.
So waren wir schnell in Österreich und auch durch Österreich durch. Und dann kam es kurz vor der Grenze. STAU!!!!!! Wir haben dann eine Stunde gewartet, endlich nach Ungarn herein zu fahren.
Dann war es auch schon abend und in Ungarn zog sich die Strecke noch ganz schön hin.
Und dann die Katastrophe: Budapest und seine Straßenbeschilderung. Mehr als "eine absolute Katastrophe" ist dazu nicht zu sagen.
Und dann kamen wir um 23 Uhr mehr als müde in Ungarn an und vielen alle 3 platt ins Bettchen.

Morgens schnell gefrühstückt wurden wir um 8.30 im Hotel abgeholt.
Nina, die zum Glück gut Englisch spricht, lotste uns vom Hotel zum Tierheim.
Für mich bedeutete das wieder: Einfach abschalten, nicht viel nachdenken über das Elend was man sieht. Einfach einen Tag durchhalten. Hier geht es nicht darum im Tierheim zu stehen und zu weinen wegen der absolut katastrophalen Situation mancher Tiere und des gesamten Heimes, sondern sich voll und ganz auf das zu konzentrieren, warum wir da sind: Wir wollen diesem Tierheim und den Tieren helfen.
Also haben wir erstmal alle begrüßt und auch direkt mit dem Ausladen der Spenden angefangen. Während ich mit Nina dann noch zum Fressnapf gefahren bin um noch mal 400kg Futter zu kaufen, haben die anderen schon mal die Boxen zusammen gebaut.
Denn wir wollten ja schnell den Transporter fertig basteln, damit wir noch ganz viel Zeit mit den Hunden im Tierheim verbringen konnten.

Kurz nach Mittag waren wir dann auch fertig und absolut zuversichtlich, wirklich für jeden Hund eine passende Box zu haben und auch noch Platz für unser Gepäck zu haben. Alle Boxen passten in den Transporter und es war alles gut verzurrt, damit die Boxen auch an ihrem Platz bleiben während der gesamt 1.500km, die es bis zum Ziel waren!
Und dann hatten wir endlich Zeit, einmal in Ruhe durchs Tierheim zu gehen!
Ca. 10 Hunde leben auf dem Tierheimgelände ohne Zwinger an einer Kette. Sie haben eine Hütte, Futter und Wasser. Teilweise sind sie nicht verträglich oder es ist einfach kein Platz mehr in den Zwingern. Und trotzdem sind die Hunde glücklich über jede Streicheleinheit, aber nicht aufdringlich. Was sie bekommen, freut sie. Wenn sie etwas nicht bekommen, sind sie auch zufrieden. Sie kennen es ja nicht anders.
In den Meisten Zwingern steht das Wasser. Es kann nicht gut ablaufen und so muss man sich dort einfach damit abfinden, dass die Hunde im Regen stehen, wenn mal wieder die Wolken brechen. Die Hunde dort kennen es nicht, ein Dach über dem Kopf zu haben was 100%ig gegen Wasser wirkt.
Und fast 99% der Hunde sind einfach nur toll. Sie sind absolut freundlich und auch nicht aggressiv im Zwinger. Ganz wenige sind eifersüchtig, wenn sie nicht gestreichelt werden. Sie warten, bis sie an der Reihe sind und wenn sie nicht gestreichelt werden, dann legen sie sich einfach wieder irgendwo hin und hoffen, beim nächsten Mal auch kurz die Hand über den Kopf gestrichen zu bekommen! Manche Hunde kommen erst gar nicht nach vorne, weil die Chance auf ein Leckerchen oder eine liebe Hand doch sehr gering ist. Erst wenn man sich hinhockt und wirkliches Interesse zeigt, kommen sie aus ihren Hütten und freuen sich riesig, auch gestreichelt zu werden!
Die Tierpfleger in Ungarn tun alles für die Tiere und man merkt den Tieren auch an, dass sie den Kontakt suchen und wirklich alles getan wird, um ihnen zu helfen. Nur können die Pfleger auch nicht einfach mal so ein neues Tierheim, vernünftige Zwinger, trockenen Boden und Futter zaubern, und so sind alle Tiere mit dem zufrieden, was sie bekommen.
Wir haben viele Fotos gemacht von den Hunden und haben natürlich schnell unsere "Lieblinge" gefunden, die uns schneller ans Herz gewachsen sind als die Anderen! Wobei alle super lieb sind und alle mehr als schnell ein Zuhause verdient haben, haben es mir Szasza, Brad, Fanta und die noch neue kleine Sheltiemixhündin angetan:
Hund im Tierheim in Ungarn Hund im ungarischen Tierheim
Zsazsa

 
Fanta

 
Hund im Tierheim in Osteuropa Hund im Tierheimzwinger
Brad

So hat jeder mit seinen Lieblingen ein wenig mehr Zeit verbracht, aber trotzdem haben wir von eigentlich allen Hunden Bildern gemacht, jeden mindestens einmal gestreichelt und uns einen Überblick über dieses 2-geschössige Tierheim gemacht. Es ist kaum zu glauben, was ein Erdrutsch anrichten kann. Ca. 3 m tiefer ist die eine Hälfte des Tierheimes. Absoluter Wahnsinn. Ich kann mir nur vorstellen, wie schwer es im Winter ist, die untere Hälfte des Tierheimes zu versorgen, wenn man den Höhenunterschied über diesen Abhang, nur leicht mit Schotter abgestützt, überwinden soll. Bei uns war es natürlich noch verhältnismäßig trocken und so konnten wir auch öfter zwischen oben und unten wechseln.

Viele Eindrücke im Tierheim, die man nur schwer in Worte fassen kann. Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, habe ich Zeit, über wirklich alles nachzudenken und ich bin froh, dass wir nach den ganzen Problemen und Anfangsschwierigkeiten endlich ein Tierheim gefunden haben, das unsere Hilfe wirklich braucht und ich hoffe, dass, wenn ich im Dezember wieder fahre, schon einige Fortschritte zu sehen sind!

Jetzt erstmal noch einige Bilder von den Hunden und dem Tierheim:

Hund im ungarischen Tierheimzwinger Visla-Mix in Ungarn
Kettenhund im ungarischen Tierheim Arme Fellnase im osteuropäischen Tierheim
Fellnasen im Tierheimzwinger Kettenhunde im Tierheim in Ungarn
Rüde im Tierheim Tierheim-Zwinger in Ungarn
Tierheim im osteuropäischen Ausland Arme Fellnasen aus Ungarn

Gegen Abend sind wir dann wieder ins Hotel gefahren, um noch ein wenig Ruhe zu bekommen. Aufgrund der Hitze bei der letzten Fahrt wurde beschlossen, dass wir bereits abends losfahren um die Kühle der Nacht auszunutzen.
So haben wir noch 2 ½ Stunden geschlafen um dann um 21.00Uhr am Tierheim mit dem Einladen der Hunde zu beginnen. Es lief alles reibungslos und absolut problemlos. So konnte die Fahrt um Punkt 22.00 Uhr wie geplant beginnen. Alle Hunde waren eingepackt, jeder hatte seinen Pass und wir waren guter Dinge!

Die Rückfahrt ging super schnell. Bis auf einen kleinen Umweg, den wir dank der bereits erwähnten perfekten Beschilderung in Budapest eingelegt haben, schafften wir es fast 100%ig im Zeitplan zu bleiben.
Zum Glück haben wir diesen Umweg gemacht, denn sonst wären wir in einige Staus gefahren, die sich aber alle immer kurz vor unserer Ankunft wieder aufgelöst hatten! Aber da ja jedes Tier einen Schutzengel mit hatte, hätte gar nichts Schlimmes passieren können. Denn wer könnte auch schon etwas dagegen haben, dass diese wunderbaren Hunde endlich einen Platz für die Ewigkeit beziehen dürfen. Mit Haus und Korb, mit Liebe und Verständnis. Endlich Hund sein, wie es sich gehört. Und nicht an einer Kette, gehasst und getreten. Für viele Hunde ist das Alltag und sie wissen nicht, dass ein Hund zu sein, eigentlich etwas wunderbares sein sollte und man es einfach nur genießen kann, ein Herrchen oder Frauchen zu haben!

Ich freue mich für jeden Hund, den wir am Sonntag in seine Familie oder Pflegefamilie übergeben haben. Alle Hunde - außer Baldo und Buddel (alias Seylmez) - haben die Fahrt ruhig verbracht und sich ihrem "Schicksal" ergeben, ein paar Stunden im Transporter zu verbringen!
Aber alle haben sich in den Armen ihrer Familie bereits besser und geborgen gefühlt!
Ich hoffe, dass alle Familien wissen, was es bedeutet ein Tier aus dem Tierheim in Ungarn zu holen und geben bei kleinen Schwierigkeiten nicht gleich auf, sondern lassen sich noch einmal ermuntern: Bislang ist noch aus jedem Hund ein toller Begleiter geworden, auch wenn es mal Anfangsschwierigkeiten gab!
Diese Hunde müssen auch erstmal begreifen, was es bedeutet, eine eigene Familie zu haben!

Transporter fertig beladen für die Tierschutz-Fahrt

Nochmal vielen Dank an Alle, die den ganzen Tag an uns und die Tiere gedacht haben, gehofft und gebangt haben, dass alles klappt und für einen reibungslosen Ablauf an den Raststätten gesorgt haben, All das macht die Fahrt immer zu einem wunderbaren, wenn auch traurigem Erlebnis! Ich bin immer noch geschockt und traurig über die Zustände im Tierheim, aber noch glücklicher über die Tiere, denen wir bereits geholfen haben und denen, die noch mit unserer und Ihrer Hilfe eine neue Familie finden!

Claudia